Laufen im August

Laufen und Walken sind ein ideales Ausdauertraining für jede Altersgruppe. Bei 35 Grad Celsius? Lachhaft, würde so mancher sagen. Dennoch, die Temperatur spielt nur eine untergeordnete Rolle, denn wenn die Fitness größer ist, seid ihr auch bei steigenden Temperaturen fitter als eure Altersgenossen. Und obendrein besser drauf.

OK, fangen wir beim Walken oder der nordischen Walk-Variante an. Gehen, also Walken, sind wir von Kindesbeinen an gewöhnt, d. h. Gehen ist eine der natürlichsten Bewegungsarten überhaupt. Die Venen werden durch die Abrollbewegung sehr gut trainiert, was besonders bei hohen Temperaturen wichtig ist. Die Ausdauerleistung wird verbessert, da Atmung und Herz gestärkt werden – natürlich ohne die Gelenke zu belasten. Das Fett schmilzt dahin, die Bikini-Figur bleibt oder rückt näher! Aber nicht übertreiben, beginne mit kurzen Strecken – begebe dich auch mal ohne Auto zum Bäcker um die Ecke. So fängt Sport an. In kleinen Schritten einem besserem Lebensgefühl entgegen. Und besonders in der frischen Luft, im Wald und mit anderen, Gleichgesinnten, macht es noch mehr Spaß. Walken motiviert und entspannt – was sich auch an der steigenden Zahl der Walking-Anhänger bemerkbar macht.

Wie heißt es so schön: Fitness beginnt im Kopf. Was für den Walker oder Hobby-Sportler zutrifft, ist ebenso für den Wettkampf-Läufer von Bedeutung. Doch wie soll das gehen, 42 km im Kopf? Davon kann ich doch keinen Marathon laufen? Richtig, doch so ist es auch nicht gemeint, es ist eine mentale Unterstützung, eine Art Vorbereitung für einen Wettkampf. Sicher hattest du auch schon so ein Gefühl, der Tag heute wird nichts. Der Lauf heute wird bestimmt anstrengend. Der Vortrag heute wird bestimmt schief gehen. Der Kuchen wird mir nicht gelingen. Und prompt war es dann auch so. Self-fullfilling prophecy, die sich selbst erfüllende Prophezeiung. Man kann es auch nach einem populären Buch Bestellung beim Universum nennen. Wenn ich was negatives bestelle, bekomme ich es auch. Was tun? Stelle dir die Dinge einfach positiv vor.

Stelle dir zum Beispiel bildlich vor, wie du ein bestimmtes Ziel erreichst. Stelle dir vor, wie klasse du heute läufst, wie dich nichts und niemand aufhalten kann, stelle dir vor, dich stark zu fühlen und auch so auszusehen. Konzentriere dich drei Mal pro Woche auf den bevorstehenden Wettkampf und stelle dir den gesamten Lauf vor: wie du langsam losläufst, wie du das Tempo erhöhst, wie du immer schneller wirst, was du tust, wenn etwas nicht wie vorgesehen läuft – z. B. du bekommst Wadenkrämpfe. Plane deine Geschwindigkeit realistisch und eher etwas niedriger angesetzt, so dass du dich freust, wenn du dann doch schneller warst. Stelle dir vor, wie herrlich und leicht es sein wird, diesen Lauf zu laufen und wir großartig es sich anfühlen wird, ins Ziel zu kommen.

Motiviere dich ständig selbst ein wenig. Sage dir immer: ich schaffe es. Denn wir können nur Dinge erreichen, von denen wir überzeugt sind, das wir sie erreichen werden. Das kann eine relative Kleinigkeit sein, wie heute gehe ich das erste Mal zum Walken. Das kann ein 100 km Lauf sein, der durch schwieriges Gelände und durch die Nacht geht, wie Biel. Die Angst, das Kribbeln vorher sind in beiden Fällen vielleicht gleich, aber wenn du überzeugt bist, es zu schaffen, hilft dir dieses Gefühl enorm.

Ein weiterer Faktor ist Respekt. Respekt vor der Streckenlänge, Respekt vor der sportlichen Leistung überhaupt. Mein Nachbar Paul ist übergewichtig, und doch läuft er die 10 km ganz locker. Was der kann, kann ich auch. Falsch gedacht. Besagter Nachbar läuft vielleicht schon 20 Jahre, ist sehr gut trainiert, oder hat nur nach einem Wettkampf so zugelegt, weil er das Laufpensum heruntergeschraubt hat aber gleichviel weiter gegessen hat. Respekt ist in unserer Gesellschaft ein fast negatives Wort geworden, es klingt wie Autorität, Unterordnung, mangelnde Freiheit. Aber kann ein klein wenig Respekt nicht auch positiv sein? Denn wenn ich die Streckenlänge beim Marathon unterschätze und nicht mit dem nötigen Respekt an die Sache heran gehe und nach 10 km meine, der Rest ist in der Tasche, habe ich mich vielleicht geirrt. Die ersten 10 km sind zum Einlaufen, also langsam, die nächsten 10 etwas schneller. Nach der Halbmarathon-Marke kannst du dann das Tempo noch mal forcieren, und nach 30 km beginnt der eigentliche Lauf. Da zeigt es sich, ob du dein Tempo gut gewählt hast. Falls sich bei km 30 herausstellt, dass der berühmte Mann mit dem Hammer kommt und du plötzlich das Gefühl hast, gar nicht weiter zu können, dann hilft wieder sich vorzustellen, dass dieses Formtief gleich vorbei ist und wie toll es sein wird, in die Zielgerade einzulaufen.

Sicher, ohne läuferische Vorbereitung kein Wettkampf. Visualisierung hilft nicht, wenn meine Ziele unrealistisch sind. Ich kann mir noch so oft vorstellen, 20 km die Stunde zu laufen wie die Weltklasseläufer – eine sehr schöne Vorstellung übrigens – es wird so aber nicht funktionieren. Aber mit positiven Gedanken läuft es sich leichter. Also, nicht grübeln, positiv denken und handeln!

02.08.08 Veronika

Letzte Änderung: 2011-09-08 (Mathias Halbach)